Rundtour Rheingauer Klostersteig - Pilgern am Pfingstbach entlang (1/4)

Am Rheingauer Klostersteig liegen drei ehemalige (Eberbach, Johannisberg und Marienhausen) sowie drei lebendige (Marienthal, Nothgottesund St. Hildegard) Klöster. Pilgerwanderer können den Streckenweg (30 km) in vier Teile gliedern, die jeweils an einem Bahnhof beginnen und enden. Auf dieser Tour liegen mit Kloster Eberbach und Schloss Vollrads zwei weinkulturelle Stätten von Weltruf.

Kloster Eberbach Außengelände
Weinbergsmauer Steinberg
Pfingstbach
Ruhepunkt
Hallgarter Zange Kletterpark
Schloss Vollrads

Los geht es am Bahnhof Hattenheim. Das „gelbe R“ des Zuwegs zum Rheinsteig führt über den Bahnübergang hinweg in der Waldbachstraße bis zum Spielplatz am Leimersbach. In dessen Talmulde geht es weiter aufwärts. Wo der Weg die Zufahrtstraße zum Weingut Molitor kreuzt, öffnet sich erstmals der Blick auf den Taunuskamm und den berühmten Steinberg, Lieblingsweinberg der Zisterziensermönche. Am Horizont lugt der Turm auf der Hallgarter Zange aus dem Wald empor.

Sie folgen dem Leimersbach bis zum nächsten Wirtschaftsweg, der nach rechts zur Domäne Neuhof führt. Gleich nach Querung des Baches durchschreiten Sie den Torbogen und stehen nunmehr im Steinberg. In ihm halten Sie sich an der Mauer entlang aufwärts. Mit jedem Höhenmeter präsentiert sich das Panorama prächtiger über die Hänge des mittleren Rheingaus hinweg bis hinüber ins rheinhessische Hügelland. Wenig später ist die Kellerei der Staatsweingüter erreicht. Das moderne Gebäude bildet einen gefälligen Kontrast zum historischen Fachwerkhaus dahinter. Der Großteil des Kellers mit den Weintanks liegt im Boden verborgen. Einzig die Traubenannahmestation mit ihrer Glasfront deutet an, dass man hier vor einer der modernsten Weinkellereien Europas steht.

Nun geht es parallel zur Landesstraßeauf einem Wiesen- und Waldpfad zum Kloster Eberbach. Sie erreichen die Anlage am westlichen Parkplatz des Ensembles, das nicht erst mit dem Film „Der Name der Rose“ weltberühmt wurde. Früher betrieben die Zisterzienser von hier aus das größte Weinhandelsimperium der damaligen Welt. Noch heute ist die Staatsweinkellerei Kloster Eberbach das größte Weingut Deutschlands. Eine Übersichtstafel am Parkplatz skizziert den Verlauf des Klostersteiges, der hier offiziell beginnt. In einem Holzkasten finden Sie einen Stempel. Der erste Stempel dokumentiert: „Ich geh‘ dann mal los.“ Das grünblaue Logo mit den stilisierten Kirchenfenstern verspricht, dass man sich unterwegs nicht verlaufen kann. Das ist gut so, denn nach dem Start gehört alle Aufmerksamkeit dem Aufstieg.

Es geht mächtig bergan – beten mit den Füßen hat wohl mit büßen zu tun. An der Steinbergmauer schlägt sich die Route in die Büsche und leitet hinauf zum (längst umgestürzten) Unkenbaum. Eine Gedenktafel erinnert an den hessischen Innenminister Herbert Günther und seinen Wanderclub „Qualmende Socke“. Ein Impuls von Madeleine Delbrèl lädt zur inneren Einkehr ein. Nach kurzer Rast geht es weiter, ganz zum Schluss auf einem Wurzelpfad zur Hallgarter Zange. Auf 580 m.ü.N.N. ist der höchste Punkt erreicht. Während der Saison ist eine gemütliche Wirtsstube geöffnet. Außen am Zangenturm steigen Kletterfreaks empor, im Kletterwald könnte man wie Tarzan durch die Wipfel turnen. Doch Sie wollen ja pilgerwandern.

Der Abstieg zu den Pfingstbachwiesen ist der abgelegenste Abschnitt des Steiges. Die Route läuft durch lichten Nadelwald, dann wieder im Laubwald, nutzt ein Stück der Zufahrtsstraße zur Zange – und biegt nach dem Basalter Bruch in den oberen Pfingstbachgraben ein. Am idyllischen Ruhepunkt mit der Rastliege fühlt man sich den Problemen der Welt weit entrückt. Kurz darauf wird das Freizeitgelände an den Pfingstbachwiesen erreicht. Ein Kneippbecken erfrischt die Füße, zwei Fischteiche bieten Abwechslung fürs Auge, Ruhebänke laden zur Rast.

Auf der folgenden Forstpiste ist es nicht weit bis zum Wegweiser „Kornsmühle“. Hier verlässt die Rundtour den Klostersteig und führt gerade aus in die Weinbergsgemarkung. An der nächsten Gabelung (Schild „Pfingstbachwiesen“) halbrechts auf die Waldecke zuhalten. Von hier geht es am Waldrand entlang hinunter in Richtung Friesenthal. Wo man ein Stück weiter unten auf den Rheinsteig trifft, lugt rechts der Wasserturm von Schloss Vollrads aus den Weinbergen. Hier muss man entscheiden, ob für den Schlenker noch Zeit ist. Er lohnt sich – schließlich beheimatet das Schloss eines der ältesten Weingüter der Welt. Wer es indes eilig hat, geht geradeaus hinunter nach Mittelheim und gelangt unter den Gleisen hindurch nach links zum Bahnhof. Alle übrigen schlendern nach der Visite in Vollrads auf der Straße nach Winkel hinab und gelangen unterhalb der Gleise ebenfalls nach links zum Bahnhof.

Bahnhof Hattenheim / Alternativ steht am Rheinufer bei den Weinfässern ein großer Parkplatz zur Verfügung. Von hier sind es wenige Minuten Fußweg zum Bahnhof.

Anfahrt mit Rheingaulinie / Vias Frankfurt - Wiesbaden - Koblenz

Bahnhof Eltville-Hattenheim

Eigenschaften des Wegverlaufs

mittel
5:05 h
17,5 km
521.7 m
525.8 m



WIESBADEN RHEINGAU · : Wolfgang Blum